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Heimatwerk Grafschaft Glatz
Heimatwerk Grafschaft Glatz e.V. (ehem. Glatzer Visitatur)

Minoritenkirche Glatz

Aktuelles und Termine

Unermüdlich, gläubig und herzlich

Abschied von Elisabeth Kynast

Fünf Tage vor ihrem 78. Geburtstag verstarb im Pflegeheim zu Neuenrade Elisabeth Kynast. Ein Schlaganfall und eine Blutvergiftung waren der Grund ihrer schweren Krankheit.
Mit ihr verlieren wir nicht nur eine ganz aktive Landsfrau, sondern vor allem die Beziehungsperson zu all den Ereignissen in der Grafschaft und in Tschechien. Da sie erst 1962 mit ihren betagten Eltern in den Westen kam, beherrschte sie die polnische und tschechische Sprache, und so schlug sie die Brücke zwischen den Menschen dieser drei Länder.
Frau Kynast verdanken wir die Kontakte zum Bischof Dr. Ignacy Dec in Schweidnitz, zu Kardinal Dr. Dominik Duka in Prag und zu Prälat Romuald Brudnowski in Tscherbeney. Er hat für den festlichen Gottesdienst anlässlich der Seligsprechung von Kaplan Gerhard Hirschfelder im Kurpark von Bad Kudowa am 10. Oktober 2010 mit 2.000 Teilnehmern gesorgt und die Grabstätte zu einer würdigen Gedenkstätte auf dem Friedhof in Tscherbeney gemacht.
Frau Kynast hat mit ihrem Ehemann Klaus die Verbindung zu der Zeitung „Ziema Kłodzka“ (Grafschafter Landbote) aufgebaut, die immer wieder von Kaplan Gerhard Hirschfelder berichtete. Vergessen werden wir in diesem Zusammenhang nicht den wichtige Kontakt zu Herrn Julian Golak, dem Herausgeber der Zeitung, zu Frau Teresa Bazala, die für die Verbreitung der Verehrung von Kaplan Gerhard Hirschfelder sorgte, und Frau Irena Rogowska als Dolmetscherin.
Das Haus Gerhard Hirschfelder, ererbt von der Besitzerin Rosa Rokitensky, wurde für Elisabeth das große Anliegen: ein Haus für Kultur und Geschichte, ein Haus der Begegnung zwischen den Nationen. Was hat Frau Kynast sich engagiert für dieses Haus! Es mußte geräumt werden, weil Frau Rokitensky eine Leidenschaft zum Sammeln hatte. Frau Kynast hat dafür gesorgt, daß über die Deutsche Bischofskonferenz Gelder für ein neues Dach kamen, die Fenster und der Fußboden renoviert wurden. Neben der Sorge um das Haus pflegte sie jahrelang die deutschen Gräber auf dem Friedhof in Tscherbeney, von denen es noch ca. 100 gibt.
Ihr großer Wunsch, den leidenden Müttern während der Kriegszeit ein Denkmal zu setzen, ging Mitte September 2019 in Erfüllung. Mit ihr zusammen durfte ich dieses Denkmal mit der polnischen Gemeinde noch segnen.
Dann gründete sie vor zwei Jahren den Deutschen Freundschaftskreis in Bad Kudowa mit überwiegend aus Landsleuten, die in Tschechien wohnen und damals 1946 mit ihren Eltern nach Tschechien gingen in der Hoffnung, bald wieder als erste in die Heimat zurückkehren zu können. Mit diesem Freundschaftskreis gestaltete sie Mitte Dezember 2019 noch eine sehr schöne Adventsfeier. Dieser Kreis ist eine Untergruppe des Deutschen Freundschaftskreises in Glatz unter Leitung von Horst Ulbrich, der sich nun um die Untergruppe in Tschechien kümmern muß.
Frau Kynast war mindestens 3-5 Mal jährlich in der Grafschaft, und ihr Ehemann Klaus trug geduldig ihre Arbeit mit.
Wenn Frau Kynast dann zu Hause war, entdeckte sie neue Aktivitäten: sie lud Kinder aus Tschernobyl zur Erholung ein, verschaffte Polen die Möglichkeit zu Operationen, auf die sie in Polen jahrelang hätten warten müssen, sie ermöglichte Arbeitsplätze für Frauen aus der Grafschaft Glatz. Viele Menschen halfen ihr bei diesen kostspieligen Unternehmen, und als die Spenden weniger wurden, hat sie ihre eigene kleine Rente in ihre Anliegen gesteckt.
Und für das Hedwigswerk: mit ihrem und dem Engagement ihres Mannes hat sie die Kräfte eingesetzt für die Wallfahrt der Heimatvertriebenen in Werl, für Schlesier und Grafschafter, die seit zwei Jahren zu einer Wallfahrt zusammengefaßt ist. Die Zeitschrift des Hedwigswerkes „Heimat und Glaube“ hat überlebt durch das Engagement des Ehepaares Kynast.
Ich weiß, daß Frau Kynast noch vieles im Verborgenen getan hat.
Sie ist nicht zu ersetzen, weder im Heimatwerk Grafschaft Glatz e.V., in der Sorge um das Gerhard-Hirschfelder-Haus, in der Begegnung mit den Polen und Deutschen in der Grafschaft, mit den Landsleuten in Tschechien.
Bei den vielen Auszeichnungen, die Elisabeth Kynast aufgrund ihrer Verdienste in Deutschland und in der Grafschaft erhielt, wurde ihr eine besondere Auszeichnung zuteil: Am 10.10.2010 erhielt sie aus der Hand des Bischofs von Schweidnitz Dr. Ignacy Dec mit dem Großdechanten zusammen die höchste Anerkennung der Diözese Schweidnitz, den „Stanislaus-Orden“.

Elisabeth Kynast mit Stanislaus-Orden
Elisabeth Kynast mit Stanislaus-Orden
(Medal Świętego Stanisława diecezji świdnickiej)

Wir können nur staunen über ihr Lebenswerk und ihr und ihrem Ehemann Klaus sowie ihren Söhnen mit Familie aus tiefstem Herzen Dank sagen.
Nach der Corona-Krise wollen wir der verstorbenen Elisabeth Kynast in einem besonderen Gottesdienst gedenken, vielleicht in Verbindung mit dem Gedenkgottesdienst für den Seligen Kaplan Gerhard Hirschfelder, der am 2. August 2020 um 17.00 Uhr in der St. Clemens-Kirche in Münster-Zentral stattfindet.

Franz Jung, Großdechant

in: Grafschafter Bote, Nr. 5/2020
Dieser Nachruf erschien auch in „Schlesien heute“ Nr. 6/2020.

Großdechant Prälat Franz Jung und Elisabeth Kynast werden von Julian Golak ausgezeichnet.
Der Vizepräsident des Niederschlesischen Landtages Sejmik in Breslau, Herr Julian Golak (re.), zeichnete Elisabeth Kynast (Mi.) und Großdechant Prälat Franz Jung (li.) am 12. August 2018 in Tscherbeney im Anschluß an die Wallfahrt der deutschen Minderheit anläßlich des 800-jährigen Jubiläums der Basilika in Albendorf mit einem Orden für besondere Verdienste als höchste staatliche Auszeichnung in Form einer Goldmedaille am Bande aus.
Foto: Horst Ulbrich, extern http://blog.grafschaft-glatz.de

Traueranzeige für Elisabeth Kynast
Traueranzeige für Elisabeth Kynast

 

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